Damals war alles....anders!

 

Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen war der erste Kratzer einer Katze auf meiner Hand, als ich Omas Katze Minka kräftig am Schwanz gezogen hatte. Ich hatte es natürlich nicht anders verdient, es hat meiner Tierliebe aber zum Glück kein vorzeitiges Ende bereitet!

 

Meine Oma hatte Katzen so lang ich mich erinnern kann, genau wie die meisten anderen Leute in dem Dorf auf ihren Höfen. Es war normal, sie gehörten dazu. Sie lebten in den Ställen, kamen vielleicht mal zum Fressen ins Haus oder in die Waschküche. Das Futter gab es aus einem ausgewaschenen runden Margarinebecher. Essensreste vom Mittag. Kartoffeln kleingedrückt mit Soße. Abends dann mal Leberwurstbrot klein geschnitten ohne Rinde. Und dazu eine Schüssel Milch. Normale Kuhmilch. In den 70ern hätte man einen erstaunten Blick bekommen, wenn man von laktosefreier Katzenmilch gesprochen hätte, da bin ich sicher.  Mit einem lauten "Komm her Musch, Musch, Musch!" wurden die Tiere zum Füttern gerufen.

Es gab bestimmt mal ein paar kurze Streicheleinheiten, aber dann ging jeder wieder seinem Alltagsgeschehen nach. Die Menschen hatten ihre Aufgabe zu erledigen, genau wie die Katzen. Denn die waren vor wenigen Jahrzehnten noch Nutztiere. Ihre Aufgabe war es, den Hof und die Ställe frei von Nagetieren zu halten. Kastriert waren die Katzen nicht. Überschüssiger Nachwuchs wurde auf unschöne Weise "entsorgt".

Einige Tiere verschwanden von selbst, wanderten ab auf andere Dörfer und Höfe. Das war damals so.

 

Heute habe ich selbst Katzen und doch ist alles anders. Unsere Katzen haben kontrollierten Freigang im Garten. Sie sind kastriert, geimpft, entwurmt. Sie bekommen hochwertiges Futter, niemals Essensreste. Sie bekommen täglich frisches Wasser, selten mal eine Katzenmilch als Snack. Allein wenn ich bedenke, welch technischer Fortschritt in den modernen Katzenhaushalt Einzug gehalten hat! Die Katze von heute ist oft gechipt. Eine mikrochipgesteuerte Katzenklappe gewährt nur den einprogrammierten Katzen Zugang ins Haus. Mikrochipgesteuerte Futternäpfe sorgen dafür, dass jede Katze auch wirklich nur das für sie bestimmte Futter frisst. Sind wir mal über ein Wochenende nicht da, bekommen die Katzen ihr Futter trotzdem gewohnt pünktlich dank Futterautomat mit Zeitschaltuhr. Margarinebecher ade!

Die Zeiten haben sich geändert und damit auch der Stellenwert der Katzen.

 

Heute sind die Katzen das Haustier Nr. 1 der Deutschen. Die Katze von heute ist viel mehr als nur ein Tier, sie ist des Menschen Freund, Partnerersatz, Kinderersatz und vielleicht auch Statussymbol, wenn es sich um ein teures Rassetier handelt. Ein riesiger Industriezweig profitiert von diesem Wandel: Futterhersteller, Hersteller von Katzenzubehör und Katzenspielzeug. All das ist so sehr gefragt wie nie zuvor.

 

Die Katze von heute hat manchmal sogar ihren eigenen Instagram Account.

Die Katze von früher lag höchstens mal schlafend auf dem Wochenblatt.

Zeiten ändern sich.

Damals war nicht alles besser, es war einfach irgendwie nur A N D E R S...

 

Stallkatze mit Aufgabe: von Beruf Mäusefänger

Leider ergeht es auch noch heute vielen Stallkatzen nicht viel anders als damals...


Bildnachweis: Foto 1 dankend zur Verfügung gestellt von Instagram Account dea_1964

                          Foto 2 Privatfotoaufnahme des Websitebetreibers

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